Was ist zu Hause los?Was ist häusliche Gewalt?

Sarah T.

Häusliche Gewalt ist die Gewalt zwischen Erwachsenen in einer Beziehung. Eine Person ist gegenüber der anderen Person gewalttätig. Das kann körperliche Gewalt sein, oder auch den/die Andere mit Worten fertig zu machen. Dahinter steckt meist, den anderen zu kontrollieren und Macht auszuüben. 

Wir sprechen mit Sarah T., die als Beraterin bei der BIG-Hotline arbeitet.

Die BIG-Hotline bietet Hilfe bei häuslicher Gewalt an Frauen an.
Telefon: 030 - 611 03 00
Website: www.big-hotline.de

Was ist eigentlich häusliche Gewalt?

Damit ist die Gewalt zwischen Erwachsenen in einer Paarbeziehung gemeint. Dabei ist es egal, ob sie verheiratet sind oder nicht, ob sie heterosexuell leben oder in einer lesbischen oder schwulen Beziehung, ob sie einen gemeinsamen Haushalt führen oder in zwei Wohnungen leben. Es kann sich um körperliche Gewalt handeln, oder um seelische/psychische Gewalt wie z.B. die Partnerin zu beleidigen, sie einzuschüchtern oder zu bedrohen. Auch sexualisierte Gewalt, also die Partnerin zu sexuellen Handlungen zu zwingen, zählt dazu. In Einzelfällen kann häusliche Gewalt auch zu Tötungen führen.

Wer ist denn davon betroffen?

Überwiegend wird die Gewalt von Männern gegenüber Frauen ausgeübt. Es gibt Fälle, in denen Männer Opfer von häuslicher Gewalt werden, aber die sind selten. Gewalt auch bei Partnern oder Partnerinnen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen vorkommen. Aber in der Regel sind es Frauen, die durch Männer körperliche, seelische oder sexualisierte Gewalt erleben.

Warum bleiben Frauen bei Männern, die ihnen wehtun?

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die meisten Männer schlagen und beleidigen ja nicht 24 Stunden rund um die Uhr, sondern sind zwischendurch ganz nett. Für die Frauen ist es oftmals schwer zu verstehen, dass aus dem netten Mann so ein gemeiner Mann wird. Wenn Männer ihre Partnerinnen schlecht behandelt haben, tut es ihnen häufig leid und sie versprechen, dass sie nie wieder gewalttätig werden. Dadurch hoffen viele Frauen, dass die Gewalt einmalig war oder dass es das letzte Mal war und nie mehr vorkommen wird.

Häufig sind Männer und Frauen über gemeinsame Kinder oder z. B. über eine gemeinsame Arbeit miteinander verbunden. 

Wenn Frauen die Beziehung beenden, trennen sie auch ihre Kinder von ihrem Vater. Das ist eine Entscheidung die Frauen oft sehr schwer fällt. Es dauert leider oft lange, ehe sie sich eingestehen, dass es den Kindern ohne einen gewalttätigen Vater besser gehen wird. Und dass ein Neuanfang besser ist, als ein Leben in Angst.

Könnt ihr Frauen bei der Entscheidung helfen?

Ja, das macht einen großen Teil unserer Arbeit aus. Frauen empfinden es als Erleichterung über ihre Situation sprechen zu können, ohne dass sie sich sofort entscheiden müssen. Es tut ihnen gut, dass jemand zuhört und ihnen glaubt. Sie brauchen Informationen über Hilfsangebote und Unterstützungsmöglichkeiten, um sich überhaupt entscheiden zu können. Und sie müssen die Hoffnung haben, dass das Leben ohne den gewalttätigen Mann wirklich besser wird. Zuhören und ermutigen, aufklären und begleiten ist, was wir und andere Beratungsstellen bieten können.

Gibt es für alle Frauen Hilfe und Unterstützung?

Ja. Hilfs- und Unterstützungsangebote gibt es für alle Frauen, egal wie alt sie sind, wo sie herkommen und wie viel Geld sie haben. Aber manche haben mehr Angst als andere, sich Hilfe zu holen: z. B. eine Frau, die keinen deutschen Pass hat, deren Mann ihr immer wieder damit gedroht hat, dass sie abgeschoben werden wird, wenn sie ihn verlässt. Oder Frauen, die selbst ein Alkohol- oder Drogenproblem haben. Die haben oft Angst, dass man ihnen nicht glaubt oder ihnen Mitschuld an der Gewalt gibt. Oder sie wollen nicht, dass jemand erfährt, welche Probleme sie haben, weil sie sich schämen.

In welchen Sprachen könnt ihr beraten?

Wir haben Beraterinnen, die sprechen außer Deutsch auch Englisch, Arabisch, Russisch, Türkisch, Farsi oder Spanisch. Sie können dann in ihren zweiten Sprachen selber beraten. Ansonsten arbeiten wir auch mit Dolmetscherinnen, d.h. wir holen eine Dolmetscherin dazu, die das was die Beraterin sagt für die Frau übersetzt und das was die Frau sagt für die Beraterin übersetzt.

Können auch Kinder und Jugendliche bei euch anrufen wenn sie häusliche Gewalt erleben?

Kinder und Jugendliche können auch bei uns anrufen, wenn es bei ihnen zuhause Gewalt gibt. Wir sagen ihnen dann, wer ihnen weiterhelfen kann.

Und die Männer? Können die sich auch Hilfe holen, wenn sie sich ändern wollen?

Es gibt auch für die Täter Hilfen. Wer ernsthaft an sich und seinen Problemen arbeiten will, bekommt darin Unterstützung. Wir sagen dann, wo sie die finden können und geben ihnen Telefonnummern, wo sie sich hinwenden können.

Ist die Arbeit mit Menschen, die Gewalt erleben, nicht sehr traurig und anstrengend?

Sicher, diese Arbeit kann traurig machen und anstrengend sein. Gleichzeitig freuen wir uns immer zu sehen, wie viel Kraft und Mut Frauen aufbringen können um ihr Leben für sich und ihre Kinder zu verändern. Wir wollen, dass häusliche Gewalt beendet wird. Für dieses Ziel arbeiten und engagieren sich weltweit viele Frauen und auch manche Männer. Und das gibt uns Kraft.

Und was ist ...

Sexueller Missbrauch?

Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung eines Erwachsenen, die an oder vor einem Kind gegen den Willen des Kindes passiert.

Das bedeutet: Buben und Mädchen werden gezwungen, aufdringliche Blicke oder Sprüche zu ertragen, Zungenküsse zu geben, sich nackt zu zeigen, sich berühren zu lassen, den Missbraucher nackt zu sehen, ihn anzufassen, den Erwachsenen zu befriedigen.

Kinder brauchen Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Schutz und Sicherheit. Missbraucht ein Erwachsener ein Kind sexuell, benutzt er die Liebe, das Vertrauen oder die Abhängigkeit, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Manchmal ist diese Gewalt direkt und sofort zu erkennen.  Manchmal wird sie durch Nettigkeiten wie Komplimente, Geschenke, schöne Unternehmungen langsam vorbereitet. Dann kann der Übergang von Spaß zu Ernst so schleichend sein, dass man ihn kaum merkt. Oft kommen die Täter aus der Familie oder dem Freundeskreis der Eltern. Man sieht es niemandem an, dass er so etwas tut. Viele Täter treten nach außen ganz anders auf, als sie eigentlich sind. Das macht es so schwer, sie zu durchschauen.

Wichtig: Kinder und Jugendliche tragen niemals die Verantwortung dafür, dass jemand sie missbraucht!

Zwangsverheiratung?

Eine Zwangsheirat besteht, wenn einer der Partner mit der Verheiratung nicht einverstanden ist und seine Zustimmung nicht gegeben hat bzw. sich dazu gezwungen fühlte.

„Die Ehe darf nur aufgrund der freien und vollen Willenseinigung der zukünftigen Ehegatten geschlossen werden.“ (Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, 1948)

Zwangsverheiratung ist eine Form von häuslicher Gewalt!

Betroffene werden zur Ehe gezwungen. Auf ihre Meinung wird nicht gehört oder sie wagen nicht, sich zu wehren, weil Eltern, Familie, Verlobte und Schwiegereltern mit den unterschiedlichsten Mitteln versuchen, Druck auf sie auszuüben. Dazu gehören physische und sexuelle Gewalt, Nötigung durch Drohungen, Einsperren, Entführung, psychischen und sozialen Druck sowie emotionale Erpressung.

Die meisten lieben ihre Eltern, aber wollen trotzdem frei über ihr Leben entscheiden können. Das macht es den Mädchen und jungen Frauen so schwer, sich aus den Familien zu lösen. Beratung und Hilfe muss vor allem Schutz vor Gewalt bieten können und Betroffenen helfen, sich mit ihren widersprüchlichen Gefühlen auseinanderzusetzen. Sie brauchen viel Ermutigung, um die für sie richtige Entscheidung fällen zu können.

Kindesmisshandlung?

Wenn Kinder oder Jugendliche durch Eltern, Erziehungsberechtigte und andere Personen wie Nachbarn oder Verwandte seelisch und körperlich verletzt werden, spricht man von Kindesmisshandlung.

Körperliche Misshandlungen sind alle Handlungen, die zur Verletzung oder gar zur Tötung des Kindes führen können. Bei mangelnder Hygiene, unzureichender Versorgung mit Essen und Trinken und Kleidung handelt es sich um Vernachlässigung.

Seelische Misshandlungen sind alle Äußerungen oder Verhaltensweisen, die Kinder und Jugendliche ängstigen, sie demütigen oder überfordern und ihnen das Gefühl geben, nichts wert zu sein.

Seelische Gewalt ist ebenso grausam wie Schläge, wenn nicht sogar schlimmer, da sie nicht so sichtbar ist und von anderen nicht so wahrgenommen werden kann.

Opfer von Kindesmisshandlung werden Mädchen und Buben in etwa gleich häufig. Frauen und Männer treten etwa gleich häufig als Täter auf.

Was ist zu Hause los?

Was ist zu Hause los?Was ist häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt ist die Gewalt zwischen Erwachsenen in einer Beziehung. Eine Person ist gegenüber der anderen Person gewalttätig. Das kann körperliche Gewalt sein, oder auch den/die Andere mit Worten fertig zu machen. Dahinter steckt meist, den anderen zu kontrollieren und Macht auszuüben. 

Schlafstörung

Häusliche GewaltWie fühlen sich Kinder und Jugendliche die häusliche Gewalt erleben?

Gewalt, die du beobachten musst, und Gewalt, die du selbst erlebst, hat immer negative Auswirkungen. Kinder und Jugendliche erleben die Gewalt gegen ihre Mütter direkt oder indirekt mit. Sie sehen, wie die Mutter geschlagen wird. Sie hören sie schreien. Sie spüren die Aggressionen und die Angst. Sie fühlen die bedrohliche Atmosphäre. Häufig aber werden sie auch selbst Opfer körperlicher oder/und seelischer Misshandlungen.

Zeigefinger

TestIst das Gewalt?

Was macht Angst? Wann ist etwas normal, ab wann extrem? Und was genau ist gemeint, wenn von Gewalt die Rede ist?