Die Geschichte von Sina (14)"Am schlimmsten ist es, wenn sie anfangen sich zu hauen."

Sina geht auf eine Förderschule. Sie hat ihrem Lehrer erzählt, dass ihr Vater es nicht so meint, er trinkt einfach immer so viel.

Hallo – ich bin Sina. Ich bin 14 Jahre alt, genau wie mein Bruder Deniz und meine Schwester Lara. Wir sind Drillinge. Ich gehe jeden Tag in eine Förderschule. Dort lerne ich wie man einkauft, den Tisch deckt oder auch wie man gemeinsam Sport macht.

Ich bin nicht so gut mit Zählen. Wenn ich zuhause den Tisch decke und mein Vater merkt, dass was fehlt, sagt er: Es fehlt hier eine Gabel! Ich denke dann, dass ich was falsch gemacht habe. Das enttäuscht mich und ich werde wütend. Ich schmeiß mich manchmal auf den Boden und schreie meine Wut raus.

Mein Vater brüllt dann oft meine Geschwister an, warum sie mir nicht helfen. Manchmal brüllen sie zurück. Dann wackeln die Wände von all dem Lärm. Das macht mir Angst, wenn es so laut ist.  

Vor ein paar Monaten ist mein Onkel zu uns gezogen. Mein Vater und er gehen abends zusammen raus und kommen oft betrunken nach Hause. Dann sind sie sehr laut. Alle wachen auf von dem Lärm. Manchmal fürchte ich mich richtig.

Am schlimmsten ist es, wenn sie anfangen sich zu hauen. Ich versteh immer nicht warum. Es sind doch Brüder. Wenn meine Mutter dazu kommt, sagt sie, sie sollen leise sein und aufhören. Aber mein Vater brüllt sie noch lauter an.

Vor ein paar Wochen bin ich wieder aufgewacht. Ich hatte große Angst. Lara kam zu mir ins Bett und hat versucht, mich zu beruhigen. Wir haben gehört, dass Möbel im Wohnzimmer umgefallen sind. Meine Mama wollte meinen Vater und meinen Onkel trennen.

Da hat mein Vater ihr seinen Ellbogen in den Bauch gehauen. Sie hat so laut aufgeschrien. Sonst war es nie so doll, wenn Streit ausgebrochen ist. Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können.

Wenn mich jemand in der Schule genervt hat, hab ich ihm auch mit dem Ellbogen in den Bauch gehauen. Mein Lehrer, Herr Schuster, hat mich gefragt, warum ich das mache. Er war sehr freundlich zu mir. Ich hab ihm erzählt, was bei uns oft Abends los ist. Dass mein Vater es nicht so meint, er trinkt einfach immer so viel.

Da hat Herr Schuster zu mir gesagt: Das ist keine Entschuldigung, dein Vater darf niemanden hauen! Er hat mit der Direktorin geredet und die hat dann meine beiden Eltern getrennt zu sich gerufen und mit ihnen gesprochen.

Mein Vater sucht sich jetzt Menschen, die ihm helfen, nicht mehr so viel zu trinken. Er hat auch meinem Onkel gesagt, er soll sich eine eigene Wohnung zu suchen. Die Streitereien in der Nacht haben aufgehört. Ich bin viel ruhiger geworden und fühl mich wieder sicher zu Hause. Ich darf Erwachsenen erzählen, wenn ich unsicher oder ängstlich bin.

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