Die Geschichte von Paul (10)"Mama sagt, Papa kann nichts richtig machen."

Pauls Mutter ist ganz oft sehr wütend. Dann schreit sie immer sehr laut. Das mag er überhaupt nicht.

Ich bin Paul. Meine Schwester Eva ist zwei Jahre älter als ich und geht in die 7. Klasse. Meine Mutter ist ganz oft sehr wütend. Dann schreit sie immer sehr laut. Das mag ich überhaupt nicht. Unser Kater Felix auch nicht. Der versteckt sich dann unter der Kommode.

Meistens schreit sie meinen Vater an. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal richtig nett zu meinem Papa war. Er sitzt nur da und sagt nie etwas. Das macht mich traurig. Und auch wütend. Am Abend ist es am schlimmsten. Ich kann nicht einschlafen und verkrieche mich mit Felix unter der Decke.

Mama sagt, Papa kann nichts richtig machen. Wenn er abwäscht, schimpft sie. Wenn er zu spät zum Essen kommt, schimpft sie. Wenn er im Bad war, schimpft sie. Und manchmal, wenn sie richtig wütend wird, wirft sie mit Sachen.

Eine Nacht bin ich vom Klopfen an der Scheibe aufgewacht. Ich hatte voll Angst. Dann bin ich zu meiner Schwester ins Zimmer und habe sie geweckt. Die hat nachgesehen und meinen Vater, der halb erfroren war, wieder in die Wohnung gelassen. Meine Mama hatte ihn auf dem Balkon ausgesperrt.

Ganz oft denke ich, dass ich was falsch mache und meine Mama vielleicht auch wütend wird mit mir. Auch in der Schule oder beim Sport hab ich manchmal Angst, dass wenn ich was falsch mache, die anderen böse sind auf mich. Vor ein paar Wochen waren zwei Mitarbeiter vom Kindernotdienst bei uns in der Klasse, die haben uns eine Geschichte erzählt.

In der Geschichte hat ein Mann immer mit seiner Frau geschimpft. Ich bin ganz aufgeregt aufgesprungen, und habe gesagt, dass das bei uns auch so ist, nur dass bei mir die Mama schimpft. Erst war mir das peinlich, aber dann haben sie mir zugehört. Ich war sehr erleichtert.

Mein Klassenlehrer hat dann mit meiner Mutter und meinem Vater gesprochen. Jetzt gehen beide zu einer Frau, die hilft, dass Mama besser mit Papa redet und nicht immer so wütend ist. Das gefällt auch Felix. Er ist jetzt viel öfter mit uns zusammen im Wohnzimmer. 

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