Was ist häusliche Gewalt?

Interview: „Was ist häusliche Gewalt?“
Wir haben mit einer Beraterin gesprochen, die Frauen hilft, die Opfer von häuslicher Gewalt sind. | » zum Interview

Häusliche Gewalt bezeichnet die Gewalt zwischen erwachsenen Beziehungspartnern. Gewalt und Demütigung werden von einem Partner eingesetzt, um den anderen zu kontrollieren und Macht auszuüben. Die Partner können verheiratet sein oder nicht; sie können heterosexuell oder homosexuell sein, zusammen oder getrennt leben.

Welche Formen von häuslicher Gewalt gibt es?

  • Beleidigen und Erniedrigen
  • Isolieren des Partners; Kontakte nach außen verhindern
  • Geld einbehalten und Einteilung des Geldes kontrollieren
  • körperliche Gewalt androhen und ausüben
  • Sexuelle Gewalt
  • Verfolgen und Auflauern (Stalking)
  • Einschüchtern
  • Drohung mit Selbstmord
  • Drohung den Kindern etwas anzutun

Viele der Gewaltformen sind gesetzlich verboten und stellen eine Straftat dar. Dies gilt immer für körperliche und sexuelle Gewalt und für Stalking.

Häusliche Gewalt kann dauernd stattfinden oder in Abständen immer wieder passieren.

Wer erlebt häusliche Gewalt?

Meistens sind Frauen von häuslicher Gewalt betroffen und zwar Frauen jeder Altersstufe, Nationalität, ethnischen und religiösen Zugehörigkeit, Schichtzugehörigkeit und Bildungsstufe.

Leider sind Kinder jeden Alters indirekt oder direkt von häuslicher Gewalt betroffen, wenn sie sie beobachten und hören oder sogar am eigenen Leibe erfahren müssen.

Wer übt häusliche Gewalt aus?

Meistens sind Männer diejenigen, die Gewalt ausüben. Es gibt keinen typischen Gewalttäter. In der Öffentlichkeit scheinen diese Menschen freundlich und im Umgang mit Frau und Kindern fürsorglich zu sein. Oft sind sie nur hinter verschlossenen Türen verletzend und kontrollierend.

Häusliche Gewalt geschieht nie aus Versehen. Es geschieht nicht, weil jemand unter Druck steht, zu viel getrunken oder Drogen genommen hat. Gewalt wird bewusst eingesetzt, um einen anderen Menschen „klein“ zu machen und zu halten.

Die meisten Täter übernehmen nicht die Verantwortung für ihr Handeln, sondern haben immer wieder Entschuldigungen parat. Nur wenige sind bereit, ihre Gewalttätigkeit als ihr Problem anzuerkennen, an dem sie arbeiten müssen.

Was ist die Gewaltspirale?

Gewalt findet statt

Der Misshandler wird wütend. Er beginnt zu misshandeln. Die Betroffene versucht alles, um ihn zu beruhigen.

Die Entschuldigung

Der Misshandler entschuldigt sich für die Misshandlung. Er verspricht, dass es nie wieder vorkommen wird. Er gibt dem Opfer die Schuld. Er leugnet, dass die Gewalt stattgefunden hat oder behauptet, es sei nicht so schlimm gewesen.

Die Ruhephase

Der Gewalttätige tut, als sei nie etwas gewesen. Er verhält sich nett, manchmal besonders lieb. Das Opfer der Gewalt hofft, dass es nur ein Ausrutscher war und nie wieder passieren wird. Der Täter macht Geschenke.

Dieser Teufelskreis kann hunderte Male passieren. Jede Phase hält verschieden lange an. Oft verschwinden im Laufe der Zeit die Entschuldigungs- und die Ruhephase. Was bleibt, ist ein Leben in Angst.