Was muss ich im Gespräch mit einer betroffenen Mutter beachten?

Wenn ein Kind von häuslicher Gewalt betroffen ist oder Sie die Vermutung haben, dass zuhause häusliche Gewalt stattfindet, kann ein Gespräch mit der Mutter Klarheit bringen.

Situation der Frau verstehen

Bereiten Sie sich auf dieses Gespräch gut vor und versuchen Sie, sich in die Frau einzufühlen:

Oft ist es für betroffene Frauen sehr schwer, über die Gewalt zu sprechen, weil sie sich schämen, Angst haben vor der Reaktion des Mannes, gedemütigt wurden, sich selbst verantwortlich fühlen, usw. Akzeptieren Sie dies.

Häusliche Gewalt ist ein gesellschaftliches Tabu. Möglicherweise spricht die Frau beschönigend oder entschuldigend von den Gewalthandlungen des Partners. Benennen Sie, dass es sich dabei um häusliche Gewalt handelt und brechen Sie damit das Tabu. Es kann die Frau bestärken, wenn Sie bewusst Position beziehen.

Oft sind die Frauen während des Gesprächs noch nicht bereit, sich Hilfe zu holen oder sie glauben, es gäbe keine Lösung aus der Gewaltsituation. Vermitteln Sie der Frau, dass sie ein Recht auf ein gewaltfreies Leben hat und dass es Hilfemöglichkeiten gibt.

Ziel des Gespräches

Das Ziel eines solchen Gespräches ist, dass die Frau für sich und ihre Kinder Hilfe holt. Möglicherweise ist sie dazu nicht gleich in der Lage. Versuchen Sie, ihr in jedem Fall Informationsmaterial und Anschriften von Hilfeeinrichtungen mitzugeben. Falls Sie keinen Bedarf an den Infobroschüren hat oder sie nicht annehmen will, versuchen Sie es mit dem Hinweis „Vielleicht kennen Sie jemanden, der diese Infos brauchen könnte.“

Sie müssen nicht die Lösungen für ihr Problem haben, aber Sie können zuhören, Verständnis entgegenbringen und ihr Adressen von Hilfeeinrichtungen mitgeben.

Wichtige Hinweise für das Gespräch selbst:

  • Achten Sie darauf, dass der Partner, der die Gewalt ausübt, nicht Verdacht schöpft, dass es bei diesem geplanten, vertraulichen Gespräch um die häusliche Situation geht. Es könnte sein, dass er sonst die Frau hindert, zu dem Gespräch zu kommen oder sie zusätzlich bedroht. (Sollte er überraschend mitkommen, greifen Sie ein alternatives Thema für das Gespräch zu Dritt auf, welches Sie sich vorher überlegt haben, damit er keinen Verdacht schöpft.)
  • Sichern Sie der Mutter Vertraulichkeit zu und achten Sie auf den entsprechenden Rahmen (ruhige Gesprächsatmosphäre, keine weiteren Personen im Raum, kein Zeitdruck)
  • Beginnen Sie mit Ihrer Beobachtung über die Auffälligkeit bzw. die Veränderung des Kindes und fragen Sie, wie sie sich das erklärt. (Beispielsweise: Ich mache mir Gedanken, weil mir auffällt, dass Ihr Kind sich in der letzten Zeit sehr zurückzieht und sich in der Schule kaum konzentrieren kann. Wie erklären Sie sich diese Veränderung?)
  • Wenn die Frau schweigt, abblockt und signalisiert, dass sie über familiäre Probleme nicht reden möchte, beginnen sie mit einer Verallgemeinerung (z. B. „Viele Frauen, mit denen ich wegen Auffälligkeiten der Kinder spreche, haben Probleme zuhause. Gibt es jemanden in der Familie, der öfters Druck auf Sie ausübt?“)
  • Sie können außerdem fragen: „Tut Ihr Partner Dinge, die Ihnen Angst machen?“
  • Sollte die Frau bejahen, fragen Sie sie, wie Sie ihr helfen können.
  • Geben Sie ihr Faltblätter mit Telefonnummern und Anschriften von Beratungsstellen bei häuslicher Gewalt mit!

Denken Sie daran: Der Schutz der Mutter ist oft der beste Kinderschutz!